Haus auf dem obersten Parkdeck

Redaktion Magazin

Wohnraum über Parkraum

Neue Wohnwelten auf Parkplätzen und Parkhäusern

Wohnraum in Städten wird durch den stetigen Zuzug neuer Bewohner immer knapper. Gleichzeitig sind Parkflächen in bester Lage oft nicht ausgelastet. Architekten und Städteplaner machen aus der Not eine Tugend.

Amsterdam steht auf Hunderttausenden Fichtenstämmen, 40 unter jedem Haus. Erst unterhalb einer elf Meter tiefen Schlickschicht finden sie festen Halt. In vielen Ländern Südostasiens schützen Pfahlbauten vor Überschwemmungen. Auch in Köln könnte es bald Häuser auf Stelzen geben – zumindest wenn es nach Nico Hülkenberg geht.

Rennfahrer mit Studentenwohnheim

Ein großer Freundeskreis aus Köln, eine Affinität zu Immobilien und die Vorbereitung auf die Zeit nach der Rennfahrerkarriere machten den Formel-1-Piloten aus dem rheinischen Emmerich nach eigener Aussage zum Investor in der Domstadt. Hülkenberg will gemeinsam mit dem Architekten Henner Herrmanns dessen „Wohnraum über Hubraum“-Plan umsetzen: Nahe des Kölner Fußballstadions sollen über einer Parkfläche, zwischen zwei Wohngebieten gelegen, Appartementblocks auf Stelzen aus dem Boden wachsen. Es entstünden laut Konzept 400 bis 800 Wohnungen über den Parkplätzen, wie gemacht für die stets um bezahlbaren Wohraum ringenden Studenten der angrenzenden Deutschen Sporthochschule. Der Parkraum für Stadionbesucher bliebe erhalten.

Hintergründe für das Projekt, das der Architekt so ähnlich auch in Trier realisieren will: Die Städte wachsen, doch für den Neubau von Wohngebäuden fehlt schlicht der Platz. Das erhitzt den Wohnungsmarkt zusätzlich. Große Parkflächen im öffentlichen Raum sind vor allem in den Innenstädten, wo Wohnraum besonders knapp ist, Luxus – beanspruchen sie doch für eine rein horizontale Nutzung die gleiche Fläche wie ein mehrstöckiges Gebäude. Doppelt ärgerlich: Kundenparkplätze oder etwa die erwähnten Stadionparklätze werden nur tagsüber genutzt und sind auch dann immer seltener voll ausgelastet. Denn parallel hat sich in den vergangenen Jahren das Mobilitätsverhalten der Stadtbewohner geändert. Sie verzichten immer öfter auf ein eigenes Auto und setzen stattdessen auf Carsharing oder nutzen zunehmend Fahrrad, Bus und Bahn.

Wohnen über den Autos

Nicht nur Köln denkt deshalb bei der Stadtplanung laut darüber nach, öffentliche Parkflächen der Stadt oder Stellplätze an Supermärkten, Schwimmbädern und Baumärkten zu überbauen und so neuen Wohnraum zu gewinnen. So liegt auch für die Parkflächen des Irminenfreihofs am Rande der Trierer Altstadt bereits ein Konzept für Stelzenhäuser vor. München ist bei dieser innovativen Stadtplanung bereits weiter: Hier entstanden binnen eines halben Jahres 100 Wohnungen in Holz-Systembauweise über dem Parkplatz des Dantebads. Die Stadt will mit dem Pilotprojekt nun auch Supermarktketten für diese Idee gewinnen und so bezahlbare Wohnfläche schaffen.

Auch Parkhäuser nehmen die Stadtentwickler ins Visier, sind sie doch laut Bundesverband Parken nur an wenigen Tagen im Jahr ausgelastet. Parkhäuser füllen sich von unten, sodass vor allem die Parkdecks oben leer bleiben. Jetzt hat der Betreiber eines Parkhauses am Kölner Friesenplatz – also in bester Citylage – die oberen beiden Parkdecks in 31 Eigentumswohnungen umgewandelt. Gleiches Gebäude, neuer Inhalt. In Berlin entsteht derweil auf dem obersten Parkdeck des Ring-Center-Parkhauses ein Hotel in Modularbauweise. Aus Holz gefertigte, bis aufs Mobiliar bezugsfertige Zimmer im Containerformat, drei Meter breit und ebenso hoch, stehen jetzt dort, wo zuvor (manchmal) Autos parkten. Skypark nennen die beiden Gründer des Start-ups MQ ihr Projekt. Weitere Dachhotels auf Parkhäusern in Berlin, Hamburg und Süddeutschland sind bereits geplant.

Strikte Baugesetze sind überholt

Es ist also eine Umkehr der städtebaulichen Entwicklung vergangener Jahrzehnte zu beobachten, in denen Städte vor allem autofreundlich gestaltet wurden. Die MQ-Planer könnten sich auch gut vorstellen, Studenten in ihren Boxen unterzubringen. Dagegen stünden jedoch oft Bebauungspläne, die lediglich eine gewerbliche Nutzung der Parkhäuser erlaubten. Stadtplaner fordern bereits seit Jahren eine Lockerung der Baunutzungsverordnung von 1962, die bis dato bei der Planung von Stadtgebieten eine strenge Trennung von Wohnen, Arbeiten, Erholung und Verkehr vorsieht. Das würde im zunehmend gemischten urbanen Raum ein flexibleres Bauen ermöglichen – und Parkplätze in der City könnten einen zusätzlichen Zweck erfüllen: Platz für mehr Wohnraum bereitzustellen.

Blog

Jetzt Park and Joy herunterladen!

Nutzen Sie jetzt die Möglichkeit, so einfach und bequem wie noch nie zu parken!
Sichern Sie sich jetzt unsere Park-and-Joy-App für iPhone oder Android.

Park and Joy App - Jetzt herunterladen
Smart Parking App-Screens - Wohnen über dem Parkplatz