Skyline von Singapur

Jan Ungruhe Magazin

Smart, smarter, Singapur

Studie: Wandel zur Smart City steigert Lebensqualität

Laut einer Studie von McKinsey kann der flächendeckende Einsatz digitaler Angebote die Lebensqualität in Städten spürbar steigern. Die Analysten haben weltweit 50 Städte verglichen.

Was Singapur, New York und San Francisco gemeinsam haben? Sie haben die am weitesten fortgeschrittene digitale Infrastruktur. Und noch etwas: Nämlich die Gründe dafür, weshalb die Metropolen überhaupt auf Digitalisierung und smarte Technologien setzen: Kilometerlange Staus, knappen Wohnraum und steigende Umweltbelastung. „Digitale Angebote können einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieser Probleme leisten“, sagt Gernot Strube, Seniorpartner von McKinsey in München und Co-Autor der Studie „Smart Cities: Digital solutions for a more liveable future”. Die Analysten von McKinsey untersucht dabei 60 Smart-City-Lösungen für Sicherheit, Gesundheit, Mobilität, Energie, Wasser, Abfall, Wohnen und lokales Engagement. Zudem befragte das MGI fast 20.000 Einwohner.

Städte mit hohem Pro-Kopf-Einkommen vorn

Das McKinsey Global Institute (MGI) kommt in der Analyse zu dem klaren Ergebnis: Der Wandel zur Smart City durch Digitalisierung steigert die Lebensqualität. So würden in der Stadt der Zukunft die Pendelzeit, die Kriminalitätsrate und das Müllaufkommen sinken, während die Luftqualität steige. „Städte mit hohem Pro-Kopf-Einkommen wie New York, San Francisco und Singapur liegen beim Einsatz solcher Smart-City-Lösungen vorne – aber auch die chinesischen Metropolen wie Peking, Shanghai und Shenzhen investieren massiv“, sagt Strube.

Digitalisierung: Hamburg und Berlin im unteren Mittelfeld

Die deutschen Großstädte Hamburg und Berlin landen bei der Digitalisierung demnach gerade mal im unteren Mittelfeld von insgesamt 50 untersuchten Städten. In beiden Städten ist die technische Basis laut der Studie ähnlich entwickelt – auch wenn Hamburg mehr Sensoren einsetzt. Berlin punktet laut McKinsey dagegen mit einem umfangreichen Open-Data-Portal und liegt bei der Bekanntheit und Nutzung von Smart-City-Apps durch die Bürger leicht vorne. „Beide Metropolen schneiden in Sachen gesellschaftlicher Akzeptanz im globalen Vergleich unterdurchschnittlich ab – hier sind vor allem asiatische Städte mit ihrer jungen und technischen Lösungen gegenüber aufgeschlossenen Bevölkerung deutlich weiter.“

Weniger Pendelzeit: Kürzere Suche nach Parkplatz

Die Analysten haben herausgefunden, dass bessere Mobilitätslösungen die tägliche Pendelzeit im weltweiten Durchschnitt um 20 Prozent verringern könnten. Hierzu zählen etwa Smart Parking, eine intelligente Verkehrssteuerung und Echtzeitinformation in einem integrierten Personennahverkehr. Auf Smart Parking setzt auch Hamburg mit unserer intelligenten Parklösung Park and Joy. Denn die tägliche Suche nach einem Parkplatz kostet nicht nur Zeit, sondern belastet auch die Umwelt.

Weniger kranke Menschen dank smarter Technologien

Smarte Technologien – wie etwa Telemedizin, Echtzeitüberwachung chronisch Kranker und besseres Monitoring beim Ausbruch ansteckender Krankheiten – könnten zudem die Krankheitsquote in Städten um bis zu 15 Prozent reduzieren.

Geringere CO2-Emissionen

Bis zu 15 Prozent geringere CO2-Emissionen, 30 Prozent weniger Wasserverbrauch und 20 Prozent weniger Abfall: Laut McKinsey lässt sich auch die von Städten ausgehende Umweltbelastung deutlich verringern. Wie das gehen soll? Durch das automatisierte Heizen und Kühlen von Gebäuden, intelligente Energienetze mit einem variablen Preissystem und einer Abrechnung der Abfallgebühren nach tatsächlicher Müllmenge.

Weniger Kriminalität

Darüber hinaus lasse sich die Kriminalitätsrate um 30 bis 40 Prozent verringern – wenn die Polizei auf datenbasierte Kriminalitätsvorhersagen und Sicherheitssysteme in Wohnhäusern zurückgriffe. Smarte Ampelschaltungen könnten zudem die Anfahrtszeit für Rettungswagen von durchschnittlich acht auf sechseinhalb Minuten verkürzen.

Drei Voraussetzungen für Smart Cities

Den Analysten zufolge müssen Städte drei Voraussetzungen schaffen, um smarte Technologien erfolgreich auf- und auszubauen. Benötigt werde eine technische Basis mit einer kritischen Masse an Sensoren, Smartphones, die über ein schnelles Mobilfunk- und Breitbandnetz verbunden sind und deren Daten auf offenen Plattformen für Verwaltung, Bürger und Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Dabei müsse der Schutz persönlicher Daten unter allen Umständen sichergestellt werden.

Woran es in einer Smart City nicht fehlen darf

Fehlen dürfe es zudem nicht an einer Vielzahl von Anwendungen, die Rohdaten in Mehrwert für die Bürger übersetzen – etwa in Form von Echtzeit-Informationen, Warnungen und Handlungsempfehlungen. Nicht zuletzt sei eine breite und regelmäßige gesellschaftliche Nutzung von Smart-City-Lösungen erforderlich, die zu einer echten Verhaltensänderung der Bürger führt.

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