Verkehrschaos auf dem Santa Monica Boulevard, Los Angeles

Rainer Schlösser Magazin

Smart Parking in Kalifornien

Per Preissuchmaschine zur optimalen Parkgebühr

Kaliforniens Großstädte ächzen unter dem hohen Verkehrsaufkommen. Los Angeles und San Francisco setzen auf eine Preissuchmaschine, um zumindest den Parksuchverkehr zu verringern.

Kalifornien gilt als Vorzeigestaat in Sachen Hightech. Vor allem das Silicon Valley, Spielwiese der Internetriesen von Amazon und Apple über Ebay und Facebook bis hin zu Google und Intel, steht gemeinhin für die digitale Zukunft. So ist es nicht verwunderlich, dass der Bundesstaat an der Westküste der USA auch in Sachen Mobilität Vorreiter ist: Neben geschätzten 300.000 Elektroautos – selbstredend sitzt auch Tesla im Silicon Valley – sind hier so viele autonome Fahrzeuge unterwegs wie sonst nirgends. Dennoch mag das Gros der Kalifornier noch nicht von seinem benzin- oder dieselgetriebenen Auto lassen, und so wälzen sich von morgens bis abends Blechlawinen durchs Land und seine Großstädte.

Los Angeles: Optimale Auslastung per Preissuchmaschine

Vor allem in Los Angeles dominiert das Automobil. In der Millionenmetropole am Atlantik stehen Einwohner und Pendler pro Jahr mehr als 100 Stunden im Stau – Weltrekord. 30 Prozent des innerstädtischen Verkehrs entstehen dabei durch Fahrer auf der Suche nach einem freien Parkplatz. Um zumindest dieses Problem anzugehen, hat die Stadt die Auslastung ihrer Parkflächen mit einem bedarfsgerechten Parksystem optimiert. Das Ziel: eine gleichmäßigere Auslastung der Parkmöglichkeiten in der Innenstadt. "Wir waren der Meinung, wenn wir die Autofahrer besser über verfügbare Parkplätze informieren und gleichzeitig die Preise anpassen, führt dies dazu, dass nicht mehr so viele Autos in die ohnehin in den sehr stark nachgefragten Gebiete im Zentrum fahren“, sagte Projektmanager Peer Ghent. „Damit wollten wir nach und nach das Parken in unserer Stadt umverteilen und optimieren."

Das Herzstück des Systems ist die sogenannte Pricing Engine: Diese „Preissuchmaschine“ wertet per Algorithmus Echtzeitbelegungsdaten von Parkflächen aus und empfiehlt Preisanpassungen, die das Parkvolumen gleichmäßiger verteilen sollen. Technisch funktioniert das so: Jede vernetzte Parkfläche sendet Informationen über ihre Belegung (besetzt: ja/nein) über Funksensoren im Boden an ein zentrales Computersystem. Dieses wertet die Belegung blockweise aus: unterbesetzt, überbesetzt oder optimal ausgelastet. Bei zu großen Abweichungen schlägt der Algorithmus Tarifänderungen vor. Das Ergebnis: Je nachgefragter ein Parkplatz, desto teurer. Das Preisniveau insgesamt wird monatlich überprüft und angepasst.

Zwölf Dollar für eine Stunde Parken

Das bisherige Preissystem der Stadt war ineffizient. Eine Spanne zwischen einem und vier Dollar pro Stunde war zu begrenzt, um die Nachfrage zu steuern, ebenso ein Tagessatz: Die Autofahrer in Los Angeles nahmen höhere Gebühren in Kauf, um in der City parken zu können. Jetzt kosten Parkplätze in Downtown zu Stoßzeiten bis zu zwölf Dollar die Stunde, außerhalb der Innenstadt aber nur noch 50 Cent. "Im ersten Jahr haben wir den Preis achtmal angepasst und schnell gelernt, dass ein Preis für die gesamte Tagesdauer nicht funktioniert", sagte Gent. "Also passten wir den Preis an die Nachfrage und die Tageszeit an."

Die Pricing Engine arbeitet mit einem Verkehrsleitsystem zusammen, das die Fahrer bei der Parkplatzsuche unterstützt. Über eine Website, mobile Apps und Straßenschilder informiert es über freie Parkflächen. Die Benutzer geben ihren gewünschten Standort in eine App ein und erhalten Echtzeitbelegungen und Preise der nahegelegenen Parkbuchten auf ihr Smartphone. Der Fahrer kann seinen Parkplatz bereits im Voraus buchen, noch während ein GPS-System ihn direkt dorthin führt. Dank intelligenter Parkuhren kann er zudem per Kreditkarte oder App bezahlen.

San Francisco: Schritt für Schritt zum fairen Preis

Auch San Francisco nutzt bedarfsgerechte Gebühren, um Parkplätze besser auszulasten und den Parksuchverkehr zu reduzieren. Die Preise können je nach Ort, Tageszeit und Wochentag variieren. Die Tarife werden laut Transportbehörde um höchstens 50 Cent pro Stunde nach unten oder 25 Cent nach oben und nicht öfter als einmal pro Monat angepasst. Ein Algorithmus berechnet den bestmöglichen Stundensatz, um eine optimale Auslastung der Parkplätze zu erreichen: In Bereichen mit ausreichend freien Parkplätzen sinken die Preise, bis sich einige der leeren Flächen füllen. In Gebieten und Zeiten, in denen es schwierig ist, einen Parkplatz zu finden, steigen die Preise schrittweise an – bis in jedem Block mindestens ein Platz frei ist. So kann ein Stellplatz in der Nähe des Baseballstadions gerne mal sieben Dollar die Stunde kosten.

Immerhin: Um Autofahrer vor unliebsamen Überraschungen zu bewahren, hat San Francisco eine Vorwarnzeit eingeführt. Bürger können sich online eine Woche vor Inkrafttreten über alle Tarifanpassungen informieren.

Kalifornien in Zahlen

  • Fläche: 424.000 km2 (Deutschland: 357.000)
  • Bevölkerung: ca. 40 Mio. Einwohner (D: 82 Mio.)
  • Zugelassene PKW: ca. 25 Mio. (D: 64 Mio.)
  • Hauptstadt: Sacramento (500.000 EW)
  • Größte Städte: Los Angeles (4 Mio. EW), San Diego (1,5 Mio. EW), San Jose (1 Mio EW.), San Francisco (1 Mio. EW)

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