Zentraler Marktplatz in der Altstadt von St. Gallen

Rainer Schlösser Magazin

Smart Parking in der Schweiz

Duell der Parkplatzsensoren

Die Schweiz setzt bei der Modernisierung des Parkraums in ihren Städten auf das Internet der Dinge – und auf einen Wettbewerb zwischen den Herstellern.

In Schweizer Innenstädten verursachen Autofahrer auf der Suche nach einem freien Parkplatz die gleichen Probleme wie überall. In St. Gallen beispielsweise sind sie nach Angaben der dortigen Stadtpolizei für bis zu 50 Prozent der Staus in der City verantwortlich. Hinzu kommen der überflüssige Spritverbrauch, die Luftverschmutzung – und natürlich der Ärger der Fahrer selbst über die vergeudete Lebenszeit. Auch hier soll das Internet der Dinge Abhilfe schaffen.

Duell der Parkplatzsensoren

Als erste Schweizer Stadt startete St. Gallen im Sommer 2017 ein Pilotprojekt für eine intelligente Parkplatzlösung mit vernetzten Sensoren. Diese soll Autofahrer via Smartphone-App oder Navi zu einem freien Parkplatz lotsen. Für die Projektdauer von einem Jahr lässt die 80.000-Einwohner-Stadt auf 48 öffentlichen Parkfeldern entlang der Straße 96 Sensoren von vier Herstellern gegeneinander antreten – immer zwei verschiedene Sensormodelle pro Parkplatz. Die Sensorhersteller verwenden teils identische, teils unterschiedliche Technologien. Mittels Magnetfeld-, Ultraschall-, Infrarot- oder Lichtmessung, zum Teil auch kombiniert, sollen die Parksensoren erkennen, ob ein Auto nur über die Parkfläche fährt oder auf ihr stehen bleibt.

Jedes Sensorenmodell hat so seine eigenen Vorteile – aber eben auch Schwächen: Während der Testphase stellte sich beispielsweise heraus, dass die ebenerdig in den Stellplatz eingelassenen Sensoren mitunter unzuverlässig sind, wenn sich starker Regen auf ihnen sammelt. Die auf dem Asphalt aufliegende Variante dagegen, das zeigte sich im St. Galler Winter, wird von starkem Schneefall beeinträchtigt. Fahrradfahrer mögen sie auch nicht, da die Sensoren über die Parkplatzoberfläche hinausragen. Immerhin halten sie Schneepflügen stand.

Die Magnetdetektoren wiederum lassen sich von vielen störenden Magnetfeldern, etwa durch den Straßenbahn- und U-Bahn-Verkehr, von ihrer Arbeit ablenken. Bislang war bei der Fahrzeugerkennung laut Stadtpolizei St. Gallen eine Zuverlässigkeit von 87 Prozent das Höchste der Gefühle. Eine Kombination aus runden Tellersensoren und Sensorstreifen, die auf Druck – also das Gewicht des Fahrzeugs – reagieren, brachte bisher die besten Ergebnisse.

Smartes Netz mit LoRaWAN

Die Universität St. Gallen ist Partner der Polizei bei diesem Smart-Parking-Projekt als Teil der Smart-City-Strategie der Stadt. Sie wertet die Daten aus, die von den Sensoren übermittelt werden. Allerdings nicht per Mobilfunk, sondern über St. Gallens neues „Smartnet“: Für Anwendungen im Internet der Dinge wie eben Smart Parking haben die Stadtwerke ihr Glasfasernetz um ein neuartiges Funknetz erweitert. Es basiert auf LoRaWAN (Long Range Wide Area Network), einem energieeffizienten Übertragungsstandard mit hoher Reichweite – ähnlich wie NarrowBand IoT, die Technologie hinter Park and Joy. Die Universität bereitet die Daten zu freien und belegten Parkplätzen für Navigationssysteme, Kartendienste wie Google Maps und Entwickler von Parkplatz-Apps fürs Smartphone auf.

Andere schneeerprobte Schweizer Städte wie Zürich, Basel und Bern beobachten das Geschehen interessiert, warten aber ab, bis St. Gallen im Herbst 2018 die Ergebnisse präsentiert. Luzern hat immerhin schon einige Parkplätze der Stadtwerke probeweise vernetzt. Genf ist, zumindest was den Umfang der Tests angeht, mit 650 Sensoren für intelligente Parkplätze führend. Hier werden erste Ergebnisse schon im Sommer 2018 erwartet.

Bargeldloses Parken in Zug und Zürich

Einen ähnlichen Wettbewerb wie St. Gallen hatte derweil auch die Stadt Zug gestartet, um ihren Bürgern digitales und bargeldloses Parken zu ermöglichen. Neben der Verwendung von EC- oder Kreditkarten sollten auch Apps und Onlinedienste zum Bezahlen zur Verfügung stehen. Weil beim Start des Pilotprojekts 2017 keine andere Stadt in der Schweiz ein bargeldloses Parkgebührensystem anbot und somit ein Vorbild fehlte, schauten sich die Zuger Verantwortlichen die zahlreichen Lösungen von Anbietern und Start-ups genau an. Wofür man sich entschieden hat, werde man aber erst nach dem Abschluss der Pilotphase im Herbst 2018 mitteilen, heißt es.

So lange will Zürich nicht warten: Die größte Stadt der Schweiz hat im November 2017 die Entwicklung einer Park-App öffentlich ausgeschrieben. Unmut riefen allerdings die hohen Hürden der Ausschreibung an die Unternehmen hervor: Bei einem geforderten jährlichen Mindestumsatz von einer halben Million Franken sowie dem Nachweis vergleichbarer Aufträge seien Start-ups „kategorisch ausgeschlossen“, berichtete die „Neue Zürcher Zeitung“ im Januar 2018. Der Verdacht sei aufgekommen, Zürich wolle mit den hohen Ansprüchen eine Firma bevorzugen, die die Stadt bereits seit Jahrzehnten mit Parkuhren beliefert. Zu den Vorwürfen wollte sich die Dienstabteilung Verkehr laut NZZ nicht äußern. „Bei Start-ups ist uns das Risiko zu groß“, sagte ein Sprecher lediglich.

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