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Daniel Martin Magazin

Pimp my Ridepooling

Was das Mobilitätskonzept vom Carsharing unterscheidet

Neue Mobilitätskonzepte gegen überfüllte Straßen: Carsharing ist unter diesen schon fast ein alter Hase, mit Ridepooling verfolgen Anbieter nun einen neuen Ansatz. Was ist dran am neuen Konzept?

Ein wichtiges Meeting um 9 Uhr – und dann knapp den Bus verpasst und kein Mietfahrrad oder Taxi in Sicht. Die Lösung könnte künftig einer der neuen Ridepooling-Anbieter sein. Kurz die entsprechende App geöffnet, Start und Ziel ausgewählt und zehn Minuten später fährt ein geräumiges E-Auto vor, darin bereits andere Mitfahrer mit ähnlicher Route. Komfortabel, bequem, umweltfreundlich und eine Entlastung des öffentlichen Nahverkehrs – zumindest, wenn es nach Anbietern wie Moia, CleverShuttle, Ioki und Co. geht. Doch was ist der Unterschied zu anderen Mobilitätskonzepten, wie zum Beispiel Carsharing?

Was Ridepooling ausmacht

Laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sind PKW durchschnittlich nur mit etwa 1,5 Personen besetzt, laut Moia sitzt in 90 Prozent aller Autos nur ein Insasse. Viel Luft nach oben, denn je mehr Menschen mitfahren, desto effizienter der Transport. Und das ist auch beim Carsharing nicht besser, denn ein Fahrzeug steht bis zur Nutzung genauso in der Gegend herum wie Privatautos. Hier kommt Ridepooling ins Spiel. Es macht die Idee des Anrufsammeltaxi fit für das Digitalzeitalter. Per App melden Nutzer die gewünschte Route an, die Big-Data-Software des Anbieters kalkuliert daraufhin intelligent eine Route entlang möglichst vieler Mitreisender und disponiert einen Fahrer. Dieser fährt die geplante Tour ab und macht Zwischenstopps für jeden Passagier. Kunden zahlen bargeldlos einen anteiligen Preis, der flexibler und oft geringer als beim klassischen Taxi ist. Wird kein Wagen angefordert, ist auch keiner auf der Straße.

Welcher Dienst ist wo verfügbar?

  • CleverShuttle, den aktuell größten Anbieter, gibt es in Berlin, München, Leipzig, Dresden, Kiel und Düsseldorf.
  • Moia bietet Ridesharing in Hamburg und Hannover
  • Ioki verbindet diverse Hamburger Stadteile.
  • Ebenfalls nur in Hamburg verfügbar ist FreeNow Match.
  • BerlKönig ist als Dienst der BVG exklusiv in Berlin

Chancen und Hindernisse des Ridepoolings

In der Theorie ist das System also günstig für Nutzer, Umwelt und Anbieter. Zudem verfügen die komplett neu aufgebauten, zweckgebundenen Fahrzeugflotten für den Stadtverkehr oft über E-Antriebe. Damit ist nicht nur das Geschäftsmodell umweltfreundlich, sondern auch die Umsetzung – beim Carsharing machen Verbrenner nach Information des ADAC den Großteil der jeweiligen Flotte aus. Ridepooling-Anbieter peilen so eine Marktlücke an: Zwischen dem ÖPNV als günstige und effizienteste Form der Massenmobilität und Taxiunternehmen, falls es doch einmal später wird oder besonders schnell gehen muss. So verfolgt es einen deutlich stärkeren Dienstleistungsansatz als das Carsharing. Übrigens sind die Übergänge zwischen den Begrifflichkeiten fließend: Das Ridesharing, das Anbieter Moia für sich reklamiert, ist eigentlich ein nicht gewerblicher Begriff und bezieht sich normalerweise auf Privatpersonen, die ihr Auto gemeinsam nutzen. Beim Ridepooling wird der Dienst dagegen von Kommunen oder Organisationen verwaltet und ist kommerziell ausgerichtet.

Verbreitung von Ridepooling noch überschaubar

Doch zurück zum Ridepooling: Dessen Auswirkungen sind zwar auch positiv, doch die Verbreitung der Dienste ist in Deutschland im Gegensatz zum Carsharing noch überschaubar. Letzteres ist laut Bundesverband Carsharing in über 840 deutschen Gemeinden vertreten und deutlich weiterverbreitet. Das Ridepooling dagegen ist trotz der positiven Effekte vor Hürden gestellt. Eine davon: das Personenbeförderungsgesetz (PBefG). Dieses soll Fahrgäste vor unseriösen Anbietern schützen und die Wirtschaftlichkeit der „traditionellen“ Verkehrsangebote für das Gemeinwohl erhalten. Mietwagendienste beklagen darin insbesondere die Rückkehrpflicht. Diese erfordert, dass Wagen nach der Beförderung in die Zentrale zurückkehren und dort auf den nächsten Einsatz warten muss. So soll eine Verstopfung der Innenstädte mit wartenden Mietwagen vermieden werden. Allerdings verhindert die Rückkehrpflicht auch, dass sich neue Fahrten direkt über eine Nachricht von der App einleiten lassen. Die Folge: energieaufwändige Leerfahrten – was die Taxiunternehmern wiederum anzweifeln.

Smart Parking für Individualisten

Manchmal geht‘s nicht anders: Man muss mit dem eigenen Auto in die Stadt. Willst du dir und der Umwelt als Autofahrer dann trotzdem etwas Gutes tun, können dir Smart-Parking-Lösungen wie Park and Joy helfen. In mehr als 100 Städten kannst du bargeldlos parken und findest dank der Navigation leicht freie Parkplätze. Diese geben je nach Stadt sogar per Sensor in Echtzeit an, wenn sie frei sind. So gelingt die Parkplatzsuche schnell und du kannst den öffentlichen Raum entlasten.

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Neue Mobilitätsdienste bleiben heikles Thema

Mit Taxiunternehmen und Behörden lag auch Uber wiederholt im Clinch: Im März 2015 erklärte das Landgericht Frankfurt in einer Grundsatzentscheidung den Fahrdienst wegen freiberuflicher Fahrer deutschlandweit für wettbewerbswidrig. Schon zuvor wurde der Anbieter auf kommunaler Ebene durch einstweilige Verfügungen aus diversen Großstädten gedrängt. Mittlerweile hat sich Uber dem deutschen Markt angepasst und verkehrt wieder in einigen Großstädten. Andere Mobilitätsdienstleister haben heute ähnliche Probleme.

In vielen Städten können sie nur operieren, weil nach einer Klausel im PBefG experimentell und damit zeitlich begrenzt betrieben werden oder in städtischen Ausnahmeregelungen als klassischer Linienverkehr operieren. Denn erst so sind Zwischenstopps an Haltestellen erlaubt. Auch der Linienverkehr selbst wird durch die neuen Angebote berührt: Die Pilotprojekte laufen bisher fast ausschließlich in Ballungsräumen mit guter Anbindung und könnten so Personen aus der Tram in den Rufbus locken.

Intelligent und grün zur Smart City

Doch auch abseits dieser strukturellen Hindernisse verläuft der Start für die Angebote holprig: Selbst wo sie verfügbar sind, werden sie im Gegensatz zum Carsharing bisher nur zurückhaltend genutzt. Auch Ridepooling-Autos fahren oft nur mit einzelnen Passagieren oder gar leer durch die Straßen, wenn man sie im öffentlichen Raum überhaupt sieht. Ein wirtschaftlicher Betrieb ist so kaum möglich. Ohne rege Nutzung funktioniert das Modell kaum – trotz Investitionen in Millionenhöhe, wie etwa bei Moia. So manches Start-up hat sich deshalb wieder aus dem Markt zurückgezogen.

Die Lösung für die Betriebe könnte langfristig ein Zusammenschluss verschiedener Mobiliätsdienstleistungen sein, wie etwa FreeNow zeigt. Der Fahrdienst bietet E-Roller, Taxen und Mietwagen in einem einzigen Service an. Ein Zusammenzug verschiedener Dienste unter einem Dach könnte sich auch für die anderen Anbieter lohnen. Das Ridepooling zeigt jedenfalls: Die Zukunft der Mobilität hängt nicht nur von neuen Technologien wie etwa der Blockchain ab, sondern kann auch mit spannenden neuen Konzepten vorangetrieben werden.

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