Ubahn-Station Husaberg in München

Sarah Heggen Magazin

München macht mobil

Bayerns Hauptstadt auf dem Weg zur Smart City

München will seinen Verkehr fit für die Zukunft machen. Das Projekt „Modellstadt 2030“ ist die urbane Blaupause der staufreien Metropole.

51 Stunden Stau pro Jahr – für jeden Bürger dieser Stadt: Laut Inrix-Verkehrsstudie ist München Deutschlands Stauhauptstadt – und das schon im zweiten Jahr in Folge. Denn die Metropolregion wächst, und mehr Menschen bedeuten mehr Verkehr und Stau. Die Folge: Der Verkehrskollaps droht.

Mehr Mobilität durch bessere Vernetzung

Das Projekt Modellstadt 2030 will das verhindern. Das Ziel des Projekts, erarbeitet von der so genannten Inzell-Initiative – ein Schulterschluss von Wirtschaft, Wissenschaft und der Stadt München – und seit März 2018 in der Planungsphase: die Verkehrswende, mit freien Straßen für Münchens Bürger binnen zwölf Jahren. Das heißt vor allem: den Individualverkehr Schritt für Schritt reduzieren und das ÖPNV-Angebot für mehr Mobilität ausbauen. Also den Verkehr von der Straße auf die Schiene – ober- wie unterirdisch – zu verlagern. Schließlich wurde 2010 die letzte städtische U-Bahnstrecke erweitert. Ein erster Schritt, mehr Stadtverkehr vom Auto auf Bus, Bahn oder Rad zu verlagern, ist der Bau der 2. Stammstrecke München, die die bestehende Strecke rund um den Hauptbahnhof zwischen den Bahnhöfen Laim und Leuchtenbergring entlasten soll. 2026 soll die Strecke in Betrieb gehen.

Zugleich macht ein neues Preis- und Ticketsystem für München und Umgebung den Umstieg auf Nahverkehrsstrecken und Radwege attraktiver: Ein Ticket für alle Verkehrsmittel unterschiedlicher Verkehrsverbände. Die Voraussetzung: besser vernetzte Verkehrswege – von der Straßenbahn über Car-Sharing-Angebote bis zum Fahrrad.

Der Verkehr der Zukunft

Inzwischen hat München die E-Mobilität im Verkehrsnetz erhöht: Über das Stadtgebiet verteilt können Bewohner und Besucher an verschiedenen Mobilitätsstationen e-Bikes, e-Autos von Car-Sharing-Anbietern und Ladestationen nutzen. Die Standorte liegen zentral an Knotenpunkten des ÖPNV. Das soll den Verkehr im Stadtzentrum zusätzlich entlasten. Damit erhöhen sich Luftqualität und Bewegungsfreiraum für die Stadtbewohner.

Dem stetig zunehmenden Lieferverkehr begegnet die Metropole ebenfalls: Seit 2017 rüstet die Stadt gemeinsam mit UPS die Logistikflotte um – im Rahmen des städtischen Forschungsprojekts City2Share, das innovative Mobilitätskonzepte für München untersucht. Das Konzept: Vom 7,5 Tonner aufs Rad. Heißt: UPS-Zusteller sammeln die Pakete nun an Micro-Depots im Stadtgebiet ein und verteilen die Lieferungen zu Fuß oder mit Hilfe elektronischer Lastenräder. Das erhöht die Mobilität in der Innenstadt. Zugleich sinken CO2-Austoß und Staupotential automatisch, weil weniger Lieferfahrzeuge die Straßen verstopfen.

60 intelligente Lichtmasten

Auch die lästige und oft langwierige Suche nach einem Parkplatz soll ein Ende haben. Im Zuge des EU-Projekts Smarter Together installierte die Stadt 2018 dafür beispielsweise in Neuabing-Westkreuz 60 intelligente Lichtmasten. Diese spenden nicht nur Licht bei weniger Energieverbrauch, sondern sammeln zugleich über Sensoren auch Umgebungsdaten zu Wetterlage, Feinstaubbelastung und Verkehr. So verbessert Smart Data die Verkehrsinfrastruktur und trägt zum Klimaschutz bei, indem auf Basis der Daten beispielsweise Fahrverbote ausgesprochen oder Umweltzonen ausgewiesen werden können.

Ebenfalls Teil des Smart-City-Projekts sind sogenannte Quartiersboxen, die die Stadt seit Sommer 2018 im Viertel Neuaubing West testet. Die Quartiersboxen funktionieren wie Packstationen: Einem Freund ein Buch ausleihen, der gerade nicht zu Hause ist? Der berufstätigen Nachbarin die Packung geliehene Eier zurückgeben, die sie auf dem Heimweg mitnehmen kann? Bestellungen von lokalen Geschäften oder Online-Händlern spätabends abholen? Die Möglichkeiten, in diesen Stationen Waren aller Art zwischenzulagern, sind unbegrenzt. Das entlastet den Verkehr zu Stoßzeiten, weil die Bürger das Bringen oder Abholen von Gegenständen in ihren Tagesablauf integrieren können – unabhängig von Geschäftszeiten.

Nachhaltige Ziele erreichen

Smart City heißt aber nicht nur vernetzte Stadt und intelligente Technologie, sondern auch Nachhaltigkeit. So will München 20 Prozent seines heutigen CO2-Austoßes einsparen, den Anteil von erneuerbaren Energien auf über 20 Prozent anheben und die Energieeffizienz um mehr als 20 Prozent steigern. Wie das gelingen soll? Durch „umweltfreundliche Energieversorgung, energetische Gebäudesanierungen und intelligente Verkehrssteuerung“, sagt Bürgermeister Josef Schmidt. Um den Energieverbrauch zu reduzieren, saniert die Stadt seit Ende 2016 Gebäude im Projektgebiet Neuaubing-Westkreuz/Freiham nach neuestem Standard, stellt Eigentümern Gelder für eigene energetische Sanierungsmaßnahmen zur Verfügung und berät über Strategie, Risiken und Finanzierungsmöglichkeiten. Gleichzeitig wird das Wärmeversorgungssystem modernisiert und Strom aus erneuerbarer Energie in das bestehende Netz integriert. „Für alle Maßnahmen ist ein transparenter Austausch wichtig“, sagt Schmidt. „Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit den Bürgern, die mitentscheiden können, wie München zu einer Smart City wird.“

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