Zug fährt in den Bonner Bahnhof ein

Rainer Schlösser Aktuelles

Klima-Ticket und Park-App für Bonn

Wie Bonn für einen nachhaltigeren Verkehr sorgen will

Bonn will den Verkehr in der City künftig nachhaltiger machen – mit einem Klima-Ticket für den ÖPNV und einer smarten Parkplatzfinder-App.

Vielleicht profitieren Bonner Bürger bald indirekt von der EU-Bürokratie: Im Mai 2018 hat die EU-Kommission eine Klage gegen Deutschland und weitere Länder eingereicht, weil „die vereinbarten Grenzwerte für die Luftqualität nicht eingehalten werden und in der Vergangenheit keine geeigneten Maßnahmen ergriffen wurden“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Dem will die Bundesregierung jetzt mit diversen Maßnahmen begegnen, unter anderem dem Förderprogramm „Lead City“. Fünf Modellstädte, darunter Bonn, haben sich für das Programm beworben. Einer der Pläne: ein Jahresticket für Busse und Bahnen für einen Euro pro Tag.

Vorbild Wien

Die zuständigen Bundesministerien für Umwelt und Verkehr haben sich das Wiener Modell zum Vorbild genommen. In Österreichs Hauptstadt haben mehr Menschen ein Jahresticket für den Öffentlichen Nahverkehr als ein Auto, schreibt der „Tagesspiegel“. Die Stadtregierung hatte bereits 2012 ein Jahresticket für die Wiener Linien zum Preis von 365 Euro eingeführt. Mit nachhaltigem Erfolg: Seit der Einführung hat sich die Zahl der Jahreskartenbesitzer mehr als verdoppelt – auf knapp 800.000. Damit fährt fast jeder zweite Wiener nun offiziell mit einem solchen Jahresticket durch die Stadt.

Bonn will zusätzlich zum sogenannten Klima-Ticket das Jobticketsystem für Unternehmen vereinfachen und außerdem ein günstiges Familienticket anbieten. „Diese Projekte testweise umsetzen zu können, bedeutet für Bonn einen deutlichen Schritt nach vorn auf dem Weg zu weniger Individualverkehr und damit besserer Luft", sagte Oberbürgermeister Ashok Sridharan bei der Vorstellung der Maßnahmen.

Günstigere Tickets für öffentliche Verkehrsmittel allein aber genügen nicht, wie die Erfahrungen in Wien gezeigt haben. Weil die Zahl der Fahrgäste so ruckartig anstieg, hat die Stadt U-Bahnlinien verlängert und Takte verkürzt – und beginnt im Herbst 2018 mit dem Bau einer neuen Linie. Bonn macht es ähnlich, erhöht zunächst abends und am Wochenende die Häufigkeit, mit der Busse fahren und plant neue Linien.

Per App schnell zum freien Parkplatz

Dennoch sind viele Menschen, etwa Pendler aus der ländlichen Umgebung Bonns, auch weiter auf das Auto angewiesen. Ihr Problem: Parkraum in der City ist knapp. Die Suche nach einer Parklücke dauert lang, belastet die Umwelt mit Abgasen und Lärm, es entstehen Staus und der Spritverbrauch steigt. Für mehr Nachhaltigkeit könnte bald eine Smartphone-App sorgen: „Park and Joy“ führt den Autofahrer auf dem schnellsten Weg zu einem freien Parkplatz an der Straße.

Bonn in Zahlen

  • Einwohner: 328.000 (Stichtag 31.12.2017)
  • Pendler: 190.000 täglich (135.000 rein, 55.000 raus)
  • gemeldete Fahrzeuge: 250.000 (Stichtag 31.12.2017)
  • davon Dieselfahrzeuge: 117.000
  • Bahn: 6 Linien mit ca. 100 Fahrzeugen
  • Bus: 48 Linien mit ca. 200 Fahrzeugen
  • Haltestellen: 790
  • geschätzte Gesamtkosten der Maßnahmen: knapp 40 Mio. €

(Quellen: 1 / 2 / 3)

Dafür werden Bonn und die Deutsche Telekom Stellflächen in der Stadt mit Sensoren bestücken. Diese erkennen freie Stellflächen und melden ihren Belegungsstatus per Funk in die Cloud. Eine Analysesoftware baut daraus eine digitale Übersichtskarte, die „Park and Joy“-Nutzer per App aufrufen können. Das soll die Parkplatz-Suche in der Innenstadt erleichtern. Und bezahlen lässt sich die Parkgebühr auch gleich digital.

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