Enge Parkplätze im vollen Parkhaus

Rainer Schlösser Magazin

In die Breite gegangen

Streitfrage: Breitere Parkplätze oder höhere Gebühren?

Unsere Autos werden immer breiter – ein zunehmendes Problem für Parkhäuser. Der ADAC fordert breitere Stellplätze, Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer höhere Parkgebühren.

Parkraum kostet Geld. Der Platz ist knapp, vor allem in Innenstädten – und dort besonders in Parkhäusern und Tiefgaragen. Zum Problem der wachsenden Zahl an Autos in der City gesellt sich inzwischen nämlich die Größe der Fahrzeuge: Unsere PKW werden immer breiter. Seit 1990 wuchs die Fahrzeugbreite der Neuwagen in Deutschland im Schnitt um zwölf Zentimeter auf 1,80 Meter. Das ist das Ergebnis einer Studie des Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen.

Die Mindestbaugrößen eines PKW-Stellplatzes, die seit den 70er-Jahren gelten, orientieren sich allerdings an der Breite eines VW Käfer. Der war nicht mal 1,60 Meter breit, deshalb reichten die vorgeschriebenen 2,30 Meter damals für einen Parkplatz. Zum Vergleich: Der neue VW Touareg misst inklusive Außenspiegel fast 2,20 Meter. Da wird es nicht nur für Fahranfänger knifflig, wenn sie im Parkhaus neben einem solchen Ungetüm einparken müssen und anschließend womöglich auch noch aussteigen wollen.

Dudenhöffer fordert höhere Parkgebühren

CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer kritisiert die Autohersteller, die jedes Jahr ein noch größeres Modell auf den Markt bringen. „Um Airbags und Fahrassistenzsysteme in den PKW unterzubringen, braucht man diese Breiten nicht“, sagte er der WAZ. Dudenhöffer, der an der Uni Duisburg-Essen das Fachgebiet Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft leitet, fordert: Das Parken für breite PKW solle in Parkhäusern und Tiefgaragen teurer werden. „Von Fahrern großer Autos höhere Parkgebühren zu verlangen, ist nichts Unanständiges. Sie zahlen ja auch mehr für Sprit.“

Eine technische Lösung hat er auch schon parat: Dudenhöffer schlägt vor, an den Einfahrten zu Parkhäusern Scanner zu installieren, die die Größe des Fahrzeugs messen und auf dieser Basis die Parkgebühr festlegen. „Wenn ein Auto einen Parkplatz belegt, der eineinhalb mal so groß ist wie ein normaler Parkplatz, dann sollte der Fahrer auch eineinhalb mal so viel bezahlen“, sagte Dudenhöffer der Tageszeitung „Bild“. Es solle zwei Arten von Parkplätzen geben, für kleine und große Fahrzeuge.

ADAC fordert breitere Stellplätze

Der ADAC, traditionell auf Seiten der Autofahrer, lehnt verpflichtende höhere Parkgebühren für breitere PKW ab. „Die Fahrzeughalter haben unterschiedliche Motive, warum sie breitere Fahrzeuge kaufen“, sagte ein Sprecher des Automobilclubs der „Bild“. „Zum Beispiel brauchen größere Familien ein Fahrzeug mit mehr Platz. Parkgebühren in der Stadt sollten somit zu keiner sozialen Benachteiligung führen.“ Der ADAC fordere daher von den Ländern und Parkflächenbetreibern, die seit Jahren empfohlene Stellplatzbreite von 2,50 Metern umzusetzen.

Auch Dudenhöffer plädiert für eine Überprüfung der Bauvorschriften: „Es kann nicht sein, dass sich die Realität ändert und die Vorschriften nicht angepasst werden.“ Die Bauvorschriften sehen eine Mindestbreite von 2,30 Meter vor, erhöht auf 2,40 Meter, wenn eine Seite des Parkplatzes durch eine Wand begrenzt ist; bei beiden Seiten sind es 2,50 Meter Breite. Nordrhein-Westfalen hat seine Vorgaben für Stellplätze in neuen Parkhäusern und Tiefgaragen inzwischen angepasst und Anfang 2017 auf mindestens 2,45 (bzw. 2,55 / 2,65) Meter erhöht. Alternative laut CAR-Studie: ein automatisches Einparksystem, mit dem sich die Autos eng aneinander stellen lassen.

Versicherungsprämie könnte ebenfalls steigen

Geht es nach Dudenhöffer, sollten Fahrer großer PKW nicht nur beim Parken zur Kasse gebeten werden. Da breite Autos auch für Radfahrer sowie auf engen Spuren in Baustellen eine Gefahr darstellen könnten, fordert der CAR-Leiter die Versicherer auf, höhere Prämien für breite PKW zu prüfen. Denn dass die Autos in Zukunft wieder schmaler werden, scheint utopisch: Der Tesla Model X misst zwei Meter. Ohne Spiegel.

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