Panorama Großstadt Hamburg

Rainer Schlösser Magazin

Hamburg plant den Verkehr von morgen

Digitale Projekte zwischen Alster und Elbe

Hamburg setzt auf dem Weg zur Smart City vor allem auf innovative Verkehrsprojekte. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft.

Schiffscontainer per Rohrpost verschicken – darauf muss man erst mal kommen. Tesla-Gründer Elon Musk und seine Firma Hyperloop stießen mit dieser Idee bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) tatsächlich auf Interesse. Vielleicht schießen künftig Container mit 1.200 km/h durch ein Röhrensystem vom Hafen zu Umschlagplätzen in der Umgebung. So müssten weniger LKW in den Hafen einfahren. Ein Projekt, mit dem sich Hamburg wohl an die Spitze der smarten Städte Deutschlands setzen würde.

Der Digitalisierungsindex Mittelstand 2018 stellt Hamburg bereits jetzt ein gutes Zeugnis aus: In der aktuellen Benchmark-Studie, erstellt vom Analystenhaus Techconsult im Auftrag der Deutschen Telekom, liegen die kleinen und mittleren Hamburger Unternehmen beim Grad ihrer Digitalisierung über dem Bundesdurchschnitt. Das gilt für alle Branchen von Handel und Dienstleistungen über Baugewerbe bis zu Gesundheitswesen und Industrie. „In Hamburg sind aber nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Stadt selbst bei der Digitalisierung schon weit vorne“, sagt Michael Kimberger, Telekom Programmleiter „Park and Joy“. „Vor allem der Hamburger Hafen ist ein digitaler Vorreiter.“

Digitale Spielwiese Hamburger Hafen

Bereits seit 2014 setzt Hamburg gemeinsam mit dem US-Netzwerkausrüster Cisco und weiteren Technologiepartnern wie der Telekom-Tochter T-Systems innovative, digitale Projekte in der Stadt um. Das Ziel: Hamburg will zur Smart City werden – und der Hafen soll das Herzstück des Vorhabens sein.

So hat der Hafenbetreiber Hamburg Port Authority (HPA) in den Gleisanlagen stark belastete Weichen mit Sensoren ausgestattet, um sie effizienter warten zu können. Für Fahrzeuge und Kräne entwickelt die HPA einen mobilen GPS-Sensor, und ein virtueller Marktplatz soll helfen, die geschätzten eine Million Container-Leerfahrten pro Jahr im Hamburger Hafen zu verringern. Hierfür kann ein Packbetrieb einen geleerten Container auf myboxplace.de anbieten. Fordert ein anderer Logistiker innerhalb eines bestimmten Zeitfensters diesen Container an, entfällt die LKW-Fahrt zum Leercontainerdepot.

Der Hamburger Hafen in Zahlen

  • 8.000 Quadratmeter Fläche
  • 44 Terminals
  • 150 Linienverbindungen für den Seeverkehr
  • 18.000 See- und Binnenschiffe jährlich
  • 280 Liegeplätze für Seeschiffe
  • 43 Kilometer Kaimauern
  • 2.000 Containerzüge pro Woche
  • 288 Kilometer Gleisanlagen
  • 142 Kilometer öffentliche Straßen
  • 137 Mio. Tonnen Gesamtumschlag 2017

(Quelle: Hafen Hamburg Marketing)

Hunderte Fahrzeuge, tausende Container und 40.000 Arbeiter auf 8.000 Quadratmeter Fläche – ein unübersichtliches Gewusel und inzwischen auch ein beträchtlicher Datenverkehr. Damit auch zukünftig alles ineinander greift, testet die HPA jetzt den neuen Mobilfunkstandard 5G. Techniker der Telekom haben im Januar 2018 eine Sendeanlage in 150 Metern Höhe auf dem Hamburger Fernsehturm installiert, die das komplette Hafengebiet mit 5G-Funk abdeckt.

5G bietet unter anderem extrem hohe Datenraten und Reaktionszeiten und kann hunderttausende Geräte, Fahrzeuge und Sensoren gleichzeitig sicher und zuverlässig vernetzen. Für erste Tests liefern beispielsweise Sensoren auf Schiffen der HPA-Flotte Bewegungs- und Umweltdaten in Echtzeit aus großen Teilen des Hafengebiets. Und die Leitzentrale der HPA steuert über eine vernetzte Ampel aus der Ferne die Verkehrsströme, um LKW schnell und sicher durch das Hafengebiet zu lotsen.

Auch im Rest der Stadt sind Smart-City-Initiativen gestartet, vor allem bei Verkehr und Infrastruktur. Für Busse beispielsweise stehen die Ampeln länger auf grün, um einen höheren Takt und mehr Pünktlichkeit zu erreichen. Das hat laut Stadt auf einigen Strecken schon zu 20 Prozent mehr Fahrgästen geführt. Die Straßenlaternen passen ihre Leuchtkraft der Verkehrssituation in ihrer Umgebung an: Bleibt der Verkehr aus, leuchten sie schwächer. Nähern sich Radfahrer und Fußgänger, leuchten sie heller. Und Autofahrer finden nun dank Smart Parking schneller einen freien Parkplatz in der City. Dazu hat T-Systems 12.000 Parkflächen in Hamburg mit Sensoren ausgestattet, die ihren Belegungsstand regelmäßig in die Cloud funken. Mit der „Park and Joy“-App können sich Autofahrer nun zur gewünschten Parklücke navigieren lassen und auch gleich die Parkgebühr bezahlen. „So lässt sich der Parksuchverkehr in der Innenstadt verringern“, sagt Kimberger. „Weniger Spritverbrauch, Abgase, Lärm und Staus sind das Ergebnis.“

Neue Verkehrsprojekte in Hamburg

Auch die großen Autobauer unterstützen innovative Mobilitätskonzepte in Hamburg. So hat BMW mit der Hansestadt eine Vereinbarung getroffen: Die Münchner erhöhen bis 2019 die Zahl der Elektrofahrzeuge in ihrer Hamburger DriveNow-Carsharingflotte auf 550, dafür installiert die Stadt 1.000 neue Ladesäulen für E-Autos. Daimler bietet in Hamburg die Smartphone-App Mytaximatch an, mit der sich Fahrgäste das Taxi mit anderen teilen können, die eine ähnliche Strecke fahren wollen.

Ab dem Frühjahr 2019 wird auf einem vier Kilometer langen Rundkurs im Stadtteil Hafencity außerdem ein autonomer Kleinbus fahren. Das Fahrzeug bietet 16 Personen Platz und orientiert sich auf einer festgelegten Strecke mithilfe von Sensoren, Kameras und Radar. HEAT (Hamburg Electric Autonomous Transportation) heißt das von Verkehrsbehörde, Siemens und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelte Projekt, das testen soll, ob sich selbstfahrende Busse in den öffentlichen Nahverkehr integrieren lassen.

Von Drohnen und Röhren

Außerdem ist Hamburg seit Juni 2018 Mitglied der EU-Initiative Urban Air Mobility (UAM) und damit eine der Modellregionen für die Integration von Drohnen in den städtischen Luftraum. Getestet wird beispielsweise, ob und wie sich Drohnen sicher für Überwachungsaufgaben, die Wartung von Brücken oder zum schnellen Medikamententransport im Luftverkehr über einer Stadt einsetzen lassen.

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