Junge Menschen sitzen in einer Reihe und warten mit dem Smartphone in der Hand

Anna Oelsner Magazin

Estland – Europas digitale Hochburg

Warum smarte Technologien hier so gut funktionieren

In Estland laufen Behördengänge komplett digital ab. Auch bei Smart Parking und autonomem Fahren können andere Länder Europas von dem kleinen Land im Baltikum lernen.

Nur fünf Stunden ohne zu rasen: So lange brauchen Autofahrer, um von der Mitte des kleinen Landes alle Landesgrenzen in allen Himmelsrichtungen zu erreichen. Bei der Digitalisierung ist Estland aber eine echte Größe in Europa. Lediglich bei Hochzeit, Scheidung und Hauskauf müssen die Esten persönlich anwesend sein und per Hand unterschreiben. Bereits seit dem Jahr 2000 ist es in Estland möglich, ein Parkticket per SMS zu zahlen. Überall im öffentlichen Raum haben die Esten seit 2002 kostenlos und drahtlos Zugang zum Internet. Seit 2007 dürfen sie ihre Politiker im Parlament in der Hauptstadt Tallinn online wählen.

Einloggen statt Schlange stehen

Ob mit Laptop, Tablet oder Smartphone: Mit ihrer digitalen Bürgerkarte und zwei PIN-Codes können die Esten Verwaltungsaufgaben von überall aus digital erledigen. Lästige Behördengänge fallen weg. Dank eines integrierten Chips ist die digitale Bürgerkarte nicht nur Ausweis, sondern auch Führerschein, Versichertenkarte, Bankkarte, Bonuskarte im Supermarkt und vieles mehr. Seit 16 Jahren nutzt die Mehrheit der Esten die digitale Bürgerkarte ganz selbstverständlich im Alltag.

Die estnischen Bürger befürworten über Generationen hinweg die Digitalisierung in ihrem Land: Schon die Kleinsten im Kindergarten wissen, dass sie ihre Passwörter schützen müssen. In der Grundschule lernen die Schüler spielend Robotik, später steht Programmieren auf dem Lehrplan. Die englischen Befehle lernen sie ganz nebenbei mit. Auch die Generation über 60 wählt überdurchschnittlich oft online.

Beste Bedingungen für Digitalisierung

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde Estland 1990 zur eigenständigen Republik. Das Land hatte ab 1991 die Möglichkeit, seine komplette Verwaltung neu aufzubauen und setzt seitdem konstant auf Digitalisierung. Das zahlt sich aus: 2018 erreichte Estland im Ranking zur Digitalisierung aller Staaten Europas der Europäischen Kommission Platz neun. Deutschland belegt unter den insgesamt 28 Staaten Platz 23. Ein direkter Vergleich der beiden Länder ist aber nur bedingt möglich. Mit 1,3 Millionen Einwohnern leben in Estland noch nicht einmal so viele Menschen wie in München. Die Verwaltung des Landes ist zentral organisiert. Deutschland ist mit 82 Millionen Einwohnern und seiner föderalen Struktur weniger flexibel.

Dank der digitalen Unterschrift sparen Estlands Verwaltung und Privatwirtschaft pro Jahr zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Zum Vergleich: In Deutschland wären das, Stand 2017, rund 65 Milliarden Euro. Vielleicht ein Anreiz für Deutschland, beim Thema Digitalisierung mutiger zu werden.

Smart Parking und intelligente Mobilität

Estland war weltweit das erste Land, in dem Smart Parking möglich war. Ihr System ist jetzt Grundlage für Smart Parking in ganz Skandinavien. Wie bei Park and Joy laden die Esten kostenlos eine App herunter, um unkompliziert einen freien Parkplatz zu finden. In Estland ist aber noch mehr möglich: Auto und Smartphone vernetzen sich per Bluetooth. So beginnt die Parkzeit, wenn die Zündung ausgeschaltet wird und endet automatisch, wenn der Fahrer den Motor wieder anschaltet, um den Parkplatz zu verlassen. Wie bei Park and Joy werden die Kosten für den Parkplatz am Ende des Monats von der Mobilfunkrechnung abgezogen.

Auch beim autonomen Fahren ist Estland Vorreiter: Im März 2017 legalisierte das Land das Testen von selbstfahrenden Autos im Stadtverkehr. Seit Sommer letzten Jahres fahren nun zwei autonome Minibusse durch die Altstadt von Tallinn – allerdings noch in Schrittgeschwindigkeit. Mit Kameras, Sensoren und einem Radarsystem scannt das Fahrzeug seine Umwelt, um später auch mit höherer Geschwindigkeit in Echtzeit auf Hindernisse zu reagieren. Die Technik bewährt sich: Die autonomen Testbusse sind bislang unfallfrei. Frankreich und Deutschland ziehen nach. Auch in Paris werden die Minibusse getestet, in Berlin fahren die Busse auf einem Testgelände.

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