Blick von innen durch die Windschutzscheibe eines Taxis in Schweden

Jan Ungruhe Magazin

Die Sendung mit der Maut

Brauchen deutsche Städte eine City-Maut?

Die ersten Europäischen Städte bekämpfen das Verkehrschaos und die Luftverschmutzung in Innenstädten mit einer City-Maut. In Deutschland wird über die Staugebühr noch diskutiert.

Stockholms Verkehrsminister Jonas Eliasson ist der Erfinder der „Trängselskatt“. Das war schwedisch – und heißt frei übersetzt so viel wie „Gedrängesteuer“. Klingt komisch, ist aber so. Die City-Maut führte Eliasson schon 2006 ein und bewertet die Staugebühr heute durchweg positiv. Die Zahl der Autos, die in die Innenstadt drängen, sank dauerhaft um etwa 18 Prozent. Von den ehemaligen Autofahrern stieg etwa die Hälfte auf öffentliche Verkehrsmittel um, die andere Hälfte bildete Fahrgemeinschaften, fuhr zu anderen Tageszeiten oder wählte ein anderes Ziel. Überraschend: Anfangs waren 70 Prozent der Stockholmer gegen die Gebühr, heute sind 70 Prozent dafür.

Stockholm macht mit der Maut Kasse

Und so kassiert Stockholm seine „Trängselskatt“: An den Mautstationen fotografieren Kameras die Nummernschilder der Autos und speichern die Uhrzeit. Der Fahrzeughalter erhält jeden Monat eine Rechnung. Ab 6.30 Uhr zahlen Autofahrer umgerechnet etwa 1,50 Euro, ab 7 Uhr etwa 2,40 Euro und ab 7.30 Uhr etwa 3,30 Euro. Bis zur Rushhour wird es dann wieder billiger und ab 18.30 Uhr ist die Fahrt in die City kostenlos. Das Portemonnaie der Stadt ist entsprechend gut gefüllt: Stockholm nimmt inzwischen monatlich umgerechnet rund 20 Millionen Euro ein. Das Geld steckt Schwedens Hauptstadt unter anderem in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrsnetzes und baut am Stadtrand mehr Parkplätze für Pendler.

London verlangt 13 Euro

Auch andere europäische Metropolen wie London oder Mailand erheben schon eine City-Maut. London führte die „Congestion Charge“ sogar bereits 2003 und damit noch vor Stockholm ein. Hier müssen Autofahrer umgerechnet knapp 13 Euro zahlen, um von Montag bis Freitag tagsüber in die Innenstadt zu fahren. Nur für Elektroautos und einige Hybridfahrzeuge entfällt die Gebühr.

ADAC lehnt Maut ab

Das Beispiel aus London lässt sich nach Ansicht des ADAC jedoch nicht auf deutsche Städte übertragen. Hierzulande gebe es mit Ausnahme von Frankfurt keine Großstadt mit einem typischen City-Business-Distrikt. Der Automobilclub lehnt eine City-Maut ohnehin „entschieden ab, weil Autofahrer ihre Straßen durch hohe Steuerbeiträge bereits voll bezahlt haben.“ Eine Maut fördere zudem eine Zweiklassengesellschaft und benachteilige Menschen mit niedrigen Einkommen. Der ADAC empfiehlt dagegen Maßnahmen, die den Straßenverkehr flüssiger gestalten. „Dazu gehören optimierte Verkehrssteuerungssysteme, moderne Parkraumkonzepte, benutzerfreundliche P+R-Plätze und dynamische Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr“, so der Automobilclub.

Verkehrsforscher von Maut nicht überzeugt

Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen ist von einer City-Maut ebenfalls nicht überzeugt. „Das ist alles nur ein Herumdoktern an einem todgeweihten Patienten. Das nutzt langfristig gar nichts“, sagte Schreckenberg Deutschlandradio Kultur. „Das einzige Mittel, das man wirklich einsetzen kann, ist eine Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs. Besserer Komfort, kürzere Taktung und einfachere und klarere Tarifsysteme.“

Lohnen sich Mautgebühren in Kleinstädten?

Vor allem für kleinere Städte wie etwa Tübingen, das vor ein paar Jahren einmal mit dem Maut-Gedanken spielte, ist das Modell laut Schreckenberg nur schwer umsetzbar. „Um so eine City-Maut durchzuführen, muss die Stadt ja auch Kontrollmechanismen installieren und eine entsprechende Verwaltung aufbauen“, sagte der Verkehrsexperte der Deutschen Welle. „Ob die Maut sich für kleinere Städte wirklich lohnt, halte ich für überaus fraglich.“

Studie: CO2-Belastung sinkt um rund 20 Prozent

Dessen ungeachtet liebäugelt auch Wien mit einer Maut für die Stadt. Laut einer Studie könnte sich der Verkehr in Österreichs Kapitale durch die Einführung einer Gebühr um 38 Prozent verringern. Nach Angaben der Stadt würde die CO2-Belastung damit um rund 20 Prozent auf 3.321 Tonnen pro Tag sinken, Stickoxide würden von 10,7 auf 9,1 Tonnen pro Tag zurückgehen.

Autoexperte glaubt an Maut in Deutschland

Autoexperte und Volkswirt Helmut Becker ist sich sicher, dass sich allen Bedenken zum Trotz auch die Deutschen auf eine City-Maut einstellen müssen. „Man wird langfristig nicht daran vorbeikommen, denn die Städte ersticken momentan im Verkehr“, sagte Becker in einem Interview mit ntv.de. London diene als leuchtendes Beispiel.

Eliasson rät Deutschland zu anderem Ansatz

Deutschland will durch die City-Maut vor allem Geld für die Infrastruktur einnehmen. „Trängselskatt“-Erfinder Eliasson hält allerdings genau das im Interview mit der Zeit für den falschen Ansatz. Er rät Deutschland: „Das Hauptziel muss ein besser fließender Verkehr sein. Die Einnahmen sind eher ein netter Nebeneffekt.“

Die Erfahrung gibt Eliasson recht. Deutschland kann sich von Schweden in Sachen City-Maut sicher einiges abgucken – es muss ja nicht unbedingt der Name der Gebühr sein.

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