E-Auto an der heimischen Ladesäule

Rainer Schlösser Magazin

Das Mietrecht und die E-Mobilität

Zahlen, Daten, Fakten zu E-Autos und Ladestationen

In Deutschland geht es mit der Elektromobilität nicht recht voran. Jetzt will die Bundesregierung der Verbreitung von E-Autos auf die Sprünge helfen – mit einer Änderung des Mietrechts.

Die Diskussion um die E-Mobilität in Deutschland dreht sich zurzeit vor allem um Zahlen. Eine Million E-Autos auf deutschen Straßen – das war eigentlich das Ziel der Bundesregierung bis 2020. Doch im Oktober 2018 sind davon erst 13 Prozent erreicht. Von Januar bis September ließ das Kraftfahrtbundesamt in Deutschland nur 24.574 Elektrofahrzeuge und 25.567 Plug-in-Hybride (Hybrid-Fahrzeuge mit externer Lademöglichkeit per Steckdose) in Deutschland neu zu. 2017 waren es insgesamt knapp 55.000 Autos mit komplett oder teilweise elektrischem Antrieb. Geht es in diesem Tempo weiter, werden hierzulande im Januar 2020 gerade einmal 200.000 Elektroautos unterwegs sein – was in etwa einem Marktanteil von einem Prozent entspricht.

Eine Lademöglichkeit für zehn E-Autos

Bei der Suche nach den Gründen schieben sich Autohersteller und Betreiber von Ladestationen – meist Stadtwerke und Energieversorger – gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Während der Verband der Automobilindustrie (VDA) seit Jahren mehr Ladesäulen fordert, hält der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) aber nun mit einer aktuellen Zahl dagegen. Ende August standen E-Auto-Fahrern rund 13.500 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte an etwa 6.700 Ladesäulen in Deutschland zur Verfügung, ein Zuwachs von 25 Prozent gegenüber 2017. Auf zehn Elektrofahrzeuge kommt damit rein rechnerisch eine Ladestation. Das ist in etwa die Abdeckung, die auch die EU-Kommission für eine effektive Ladeinfrastruktur vorschlägt.

Das Argument der fehlenden Lademöglichkeiten lässt der BDEW also nicht länger gelten. Würden Ladestationen nur zweimal am Tag angefahren, seien sie darüber hinaus nicht rentabel, so der Verband. Allerdings: Die Verteilung der Ladesäulen ist deutschlandweit uneinheitlich; es gibt ein deutliches Gefälle zwischen den Bundesländern. Während E-Autos in Bayern mehr als 2.700 öffentliche Ladestationen ansteuern können, wenn ihnen der Saft ausgeht (21 pro 100.000 Einwohner), sind es in Brandenburg gerade einmal 124 Ladepunkte (5:100.000).

Weiße Flecken auf der Ladelandkarte

Die nackte Anzahl der Ladesäulen sagt also nicht alles aus: Denn was ist eine Elektromobilität wert, die nur in Großstädten und Ballungsgebieten funktioniert? Fehlende Lademöglichkeiten sind Umfragen zufolge nach wie vor ein entscheidendes Kriterium gegen den Kauf eines E-Fahrzeugs. Da hilft offensichtlich auch kein Förderprogramm von Staat, Wirtschaft und Unternehmen. Seit 2016 könnten Interessierte den Umweltbonus des Bundes in Anspruch nehmen: Beim Kauf eines batteriebetriebenen Autos erhält der Käufer eine Prämie von 4.000 Euro, bei einem Hybrid-Neufahrzeug 3.000 Euro. Die Kosten teilen sich Bund und Automobilindustrie. Doch von den insgesamt 600 Millionen Euro Förderung wurden bis Sommer 2018 nur etwa 100 Millionen beansprucht.

Der BDEW fordert daher eine Umschichtung der Fördermittel zugunsten des Ausbaus öffentlicher Ladestationen. Auch die Installation von Ladeinfrastruktur im privaten Bereich solle erleichtert werden: Schließlich fänden derzeit rund 80 Prozent der Ladevorgänge für E-Autos auf Privatgrundstücken statt. Abhilfe soll jetzt eine Änderung des Mietrechts schaffen. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ plant das Bundesjustizministerium, den Aufbau privater Ladepunkte per Miet- und Wohnungseigentumsrecht zu fördern. Mieter sollen künftig vom Vermieter die Erlaubnis verlangen können, sich eine Lademöglichkeit vor der Tür einzurichten. Wohnungseigentümer sollen notfalls auch gegen den Willen anderer Eigentümer Ladestationen errichten dürfen. Das war bislang wegen vielfacher Einspruchsmöglichkeiten nahezu ausgeschlossen.

Eine Million E-Autos – aber erst 2022

Zumindest die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) bleibt optimistisch. Das Beratungsgremium der Bundesregierung mit Vertretern aus Industrie, Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Verbänden prognostiziert, dass die Marke von einer Million E-Fahrzeugen im Jahr 2022 erreicht wird. Das wäre zwar zwei Jahre nach Plan, würde aber bedeuten, dass die Deutschen in den kommenden drei Jahren etwa 850.000 Elektroautos kaufen würden – und das wäre wohl ein unerwarteter Erfolg.

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