Parkhaus Österfeld in Stuttgart
Quelle: ADAC

Jan Ungruhe Magazin

Matschwiese oder Vorzeige-Parkhaus?

Park and Ride: ADAC testet 60 Anlagen in zehn Städten

Park and Ride kann für Touristen und Pendler ein Segen sein. Doch wie gut sind die Anlagen? Der ADAC hat 60 Anlagen in zehn deutschen Städten genauer unter die Lupe genommen. Das ist das Ergebnis.

Auf den Parkplatz im Kölner Westen biegt an diesem verregneten Morgen ein Auto nach dem anderen ein. An Werktagen ist der Andrang riesig – und wer erst um acht Uhr auf den Park-and-Ride-Stellplatz vor den Toren der Stadt rollt, hat die letzte Lücke mit hoher Wahrscheinlichkeit schon verpasst. Die hohe Auslastung in Köln-Weiden zeigt aber auch: Park and Ride ist für Touristen und Pendler ein Segen, weil sich durch den Umstieg auf Bus oder Bahn die Fahrt in verstopfte Innenstädte mit dem Auto vermeiden lässt. „Park-and-Ride-Anlagen können Menschen, die in die Zentren von Großstädten einfahren wollen, bereits im Umland zu einem Umstieg auf den ÖPNV bewegen“, sagt Gerhard Hillebrand, Vizepräsident für Verkehr beim ADAC. Der Automobilclub hat kürzlich 60 Park-and-Ride-Anlagen in zehn deutschen Städten mit hohem Pendleraufkommen unter die Lupe genommen. Dabei waren die Tester unterwegs in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart. Getestet wurden sowohl kostenpflichtige als auch gebührenfreie Parkplätze.

ADAC-Test: Potenziale von Park and Ride nicht ausgeschöpft

Das Ergebnis des ADAC-Tests: Park and Ride-Plätze seien grundsätzlich nützlich, das Potenzial aber noch nicht voll ausgeschöpft. „Das ist sinnvoll, funktioniert aber nur, wenn die Anbindung an den ÖPNV stimmt. Takt und Kapazitäten können oft noch deutlich verbessert werden“, sagt Hillebrand. So fiel im Test des ADAC fast jede vierte Anlage durch. Knapp die Hälfte der getesteten Park-and-Ride-Anlagen schnitt immerhin mit „ausreichend“ ab, jede dritte erhielt die Wertung „gut“ oder „sehr gut“.

Am besten bewertet hat der ADAC das kostenpflichtige Parkhaus Österfeld in Stuttgart, auf den Plätzen folgen die Anlagen Messestadt Ost und Fröttmaning in München sowie Haus Borsigallee in Frankfurt. Mit dem Gesamturteil „sehr mangelhaft“ belegte der ADAC hingegen den Park-and-Ride-Parkplatz Plovdiver Straße in Leipzig. Die Tester bemängelten dabei etwa, dass es keine Hinweise auf die Anzahl freier Stellplätze gibt, aber auch den von Matsch und Pfützen durchzogenen Parkplatz. Viel Luft nach oben gebe es zudem bei der Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Im Berufsverkehr dauerte die Fahrt zwischen besagtem P+R-Parkplatz und dem Hauptbahnhof Leipzig mit dem ÖPNV fünf Minuten länger als mit dem Auto.

Gesamtergebnis des ADAC-Tests zu PArk-and-Ride-Anlagen
Quelle: ADAC

Online-Prognosen punkten beim ADAC

Die Betreiber in Stuttgart und München punkteten beim ADAC vor allem mit der Möglichkeit, im Internet die Wahrscheinlichkeit abzufragen, zur gewünschten Uhrzeit einen Parkplatz zu ergattern. Beim Park and Ride in Bremen-Burg gefiel den Testern eine Anzeigetafel, auf der sich freie Stellplätze und die Abfahrtszeiten der nächsten beiden Züge ablesen ließen.

Doch nicht nur in Köln-Weiden ärgern sich viele Autofahrer, dass der Parkplatz schon früh morgens belegt ist: Im ADAC-Test war bei Anfahrt ein Viertel der Anlagen schon voll. Darüber gebe es auf vielen Parkplätzen keine Video-Überwachung, kaum E-Lademöglichkeiten für Autos und fehlende Kennzeichnung der Stellplätze.

ADAC fordert bessere Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel

Der Park-and-Ride-Parkplatz Plovdiver Straße in Leipzig
Matschwiese: Der Park-and-Ride-Parkplatz Plovdiver Straße in Leipzig war der Verlierer im ADAC Test.

Der Automobilclub fordert zudem eine bessere Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn: „Hier sehen wir Optimierungsbedarf vor allem hinsichtlich des Taktes, der Fahrzeugkapazität und der Festlegung der Tarifgrenzen“, urteilten die Tester. Laut ADAC muss die Verfügbarkeit von freien Stellplätzen verbessert werden – zum Beispiel durch eine Befristung der Parkdauer oder durch die Kopplung der Nutzungsberechtigung an einen ÖPNV-Fahrschein, um Dauerparker fernzuhalten. „Für gut ausgelastete Park-and-Ride-Anlagen am Stadtrand sollten höhere Nutzungsgebühren gelten als für Anlagen im weiter entfernten Umland“, sagt der ADAC. Dadurch ließe sich verhindern, dass viele Nutzer mit ihren Autos bis zum Stadtrand fahren. „Gleichzeitig sollten die ÖPNV-Tarife so angepasst werden, dass durch das Anfahren entfernterer Anlagen keine größeren Tarifsprünge entstehen.“ Großer Nachholbedarf bestehe auch beim Thema Sicherheit: In diesem Punkt erhielten beim ADAC-Test nur 16 Anlagen das Urteil „gut“ oder „sehr gut“. Für insgesamt 44 Parkplätze vergab der ADAC dagegen lediglich die Noten „ausreichend“ (21), „mangelhaft“ (19) oder „sehr mangelhaft“ (4).

Ein Hauptmangel des ADAC – keine webbasierten Prognosen zur Auslastung der Anlagen – könnten Betreiber der Parkplätze künftig mithilfe von Apps beheben. So bietet die Telekom die Möglichkeit, auch Park-and-Ride-Stellflächen in ihre App Park and Joy zu integrieren. Perspektivisch lassen sich die Parkplätze dann sogar im Vorfeld reservieren. Schon heute können Autofahrer mithilfe der App freie Parkplätze in der Innenstadt finden und die Gebühren mit dem Smartphone bezahlen. Dies ist bereits in mehr als 80 Städten möglich.

ADAC: Bedeutung von Park and Ride wird weiter steigen

Das Fazit des ADAC: „Ganz leicht wird Autofahrern der Umstieg auf den ÖPNV nicht gemacht, dennoch ist das Gesamtbild positiv.“ Das ist wichtiger denn je, denn immer mehr Menschen pendeln zur Arbeit. 2018 pendelten laut Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit 12,8 Millionen Deutsche (39 Prozent) zur Arbeit in einen anderen Kreis innerhalb Deutschlands. „Die Bedeutung von Park-and-Ride-Anlagen wird in Zukunft noch steigen, wenn insbesondere in den Großstädten bezahlbarer Wohnraum fehlt.“

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